|
Siegener Zeitung v. Fr., 16.07.99
Seite 3:
Bild 1:
Günter Reuber verließ im Jahr 1998 den Vorstand des Olper Schützenvereins, dem er 21 Jahre in verschiedenen Funktionen
angehörte. Reuber begann als Fähnrich und wurde drei Jahre später Leutnant. Er war die vergangenen sechs Jahre als Oberleutnant und Chef der Organisations- und Zugkommission u. a. für die Bestellung der
Festmusik verantwortlich und zeichnete als schießaufsichtsführender Offizier für ein reibunsloses Vogelschießen verantwortlich. Mit Günter Reuber trat ein Mann in den Ruhestand, der sich um den Schützenverein
verdient gemacht hat.
Ludwig Sondermanns heißer Königsschuß
Vor 40 Jahren stand der Olper Zimmermeister Karl-Ludwig Sondermann in einer Reihe mit vielen Anwärtern auf dem
Ümmerich unter der Vogelstange. Schon tagelang waren die sommerlichen Temperaturen so hoch, daß zum notwendigen Besprengen der Wege und des Schützenplatzes das Leitungswasser nicht mehr ausreichte.
Mit einem Tanklastzug wurde Wasser aus dem Saßmicker Teich geholt und zum Schützenplatz transportiert. Das hatte es
bisher noch nicht gegeben. Bei dieser Superhitze holte Sondermann kurze Zeit später mit einem kapitalen Treffer die Reste
des Vogels herunter und wurde neuer Schützenkönig. Zur Mitregentin wählte er sich seine Frau Hildegard. Im Volksmund nannte man ihn kurz und bündig “Zar und Zimmermann”.
Sein Königsorden, den er dem Verein stiftete, zeigt das Rüstzeug eines Zimmermanns: Axt, Säge und Längenmaß.
Umrahmt werden die Handwerkssymbole von gezeichneten Eichenstämmen mit Blättern und Eicheln. Karl-Ludwig Sondermann war viele Jahre Vorstandsmitglied des St.-Sebastianus-Schützenvereins.
Karl-Ludwig Sondermann besaß ein freundliches Wesen, und er hatte immer eine Anekdote parat. 1975 starb er im Alter
von 48 Jahren und hinterließ eine Frau und fünf Töchter. Man erzählte sich von dem fünffachen Vater, daß er auf die Frage,
ob er sich nicht auch einen Sohn wünsche antwortete: “Ieck krige noch ain, und wann de Miäker bit Tierkusen stont!”
(Anm.: übersetzt: “Ich bekomme noch einen, und wenn die Mädchen bis Thieringhausen stehen!”)
Kinderhospiz auf dem Orden Schützenkönig Thomas Wurm realisierte eine gute Idee Die Überreichung des Königsordens auf der Fronleichnams-Bierprobe wird immer mit Spannung verfolgt. So auch dieses
Jahr, als Schützenkönig Thomas Wurm seinen Orden im Speisesaal des Ümmerich dem Vorsitzenden und Major des St.-Sebastianus-Schützenvereins Olpe, Paul Imhäuser, mit folgenden Worten überreichte:
“Fast ein Jahr ist vergangen, seit dem ich als letzter Schütze unter der Vogelstange den Zeigefinger krümmte. Ein Jahr, das
zwar wie im Fluge verging, aber dennoch so schön war, daß ich keine Minute davon missen möchte. Schön war es sicherlich
auch, weil meine Frau Margarete und ich als Königspaar von allen Vorstandmitgliedern wie auf Händen getragen wurden
und ein ausgezeichnetes Verhältnis zu ihnen entwickelten. Auch wenn die Zeit unserer Regentschaft sich dem Ende
entgegenneigt, so möchte ich doch allen Anwesenden für ein unvergeßliches Jahr als König von Olpe danken.
Schon recht früh haben meine Frau und ich uns Gedanken über ein mögliches Ordensmotiv gemacht, das nach unserer
Auffassung ein bedeutendes Ereignis darstellen sollte. Wer nun aber dachte, ich hätte als Motiv einen sich bei 30° Celsius in der Sonnen aalenden Wurm oder das neue Feuerwehrhaus gewählt, den muß ich enttäuschen.
Ein früher Tip meines Königsoffiziers Michael Hochstein und nicht zuletzt das Benefizkonzerts am 21. August
vergangenen Jahres bestärkte uns in unserer Entscheidung, das in Olpe realisierte erste Kinderhospiz Deutschlands in Olpe “Balthasar” als Motiv für unseren Königsorden zu wählen.”
Bild 2:
Das musikalische Ständchen am Rathaus wurde auch im vergangenen Jahr von zahlreichen Zuschauern verfolgt.
Bürgermeister Horst Müller, einige Monate vorher selbst noch als Schützenmajor im grünen Offiziersrock, hieß die Schützen
als die “Elite der Stadt Olpe zur größten Stehparty der nördlichen Hemisphäre” herzlich willkommen und wünschte dem
Schützenfest einen friedlichen Verlauf. Müller stellte in seiner Rede unter anderem fest, daß die Gemeinsamkeit aller Teilnehmer die beste Vorraussetzung ist, dieses Fest so schön wie in den Vorjahren zu feiern.
Glockenläuten vor St. Sebastianus Vor 75 Jahren spendete der Schützenverein dem Pallottihaus eine Glocke
Am 19. Januar jeden Jahres setzt gegen 18 Uhr ein feierliches Geläut aller Olper Kirchenglocken ein. Der Vorstand, sowie
ehemalige Vorstandsmitglieder und Könige des St.-Sebastianus-Schützenvereins Olpe treffen sich dann zu einem geselligen
Beisammensein. Eingeladen zu diesem Treffen sind auch alle Olper Küster. Am gleichen Abend besucht eine Abordnung des Schützenvorstands das Pallottihaus in Olpe.
Die Olper Schützen gedenken dabei einer durch den St.-Sebastianus-Schützenverein im Oktober 1924 realisierte
Glockenspende an das Pallottinerkloster. Diese St.-Sebastianus-Glocke durfte im Juni 1941 nicht mehr geläutet werden, da
das Kloster durch die Gestapo widerrechtlich geschlossen wurde. Die Glocke blieb jedoch gemeinsam mit zwei anderen Glocken bis Oktober 1942 im Turm des Pallotinerklosters hängen.
Zu dieser Zeit mußte die Olper Martinus-Pfarrei ihre Bronze-Glocken für die Kriegsrüstung spenden. Der damalige Pfarrer
Menke erreichte jedoch, daß die Stahlglocken des Pallotinerklosters der Martinus-Pfarrei übergeben wurden. Da der
Glockenturm der St.-Martinus-Kirche durch die Kriegseinwirkungen nicht allzu schwer beschädigt worden war, konnten
diese Stahlglocken bis Ende 1949 dort hängen und geläutet werden. Nachdem die Martinuskirche im Januar 1950 neue Bronzeglocken erhielt, wurden die Stahlglocken dem Pallottihaus zurückgegeben.
Vielen Schützenbrüdern ist das niederdeutsche Wort “Beiern” noch ein Begriff. Beim Beiern wird die Glocke mit einem
Klöppel angeschlagen, ohne daß sie sich bewegt. Diese Art des Glockenspiels wurde im französich-niederländischem Raum ausgeübt und von dort im 15. Jahrhundert nach Deutschland überliefert.
Im Turm der Olper St.-Martinus-Pfarrkirche befanden sich vier Glocken. Die größte von ihnen wurde beim Beiern nie
manuell, sondern nach der Einführung der Elektrizität elektrisch betrieben. Der Küster konnte von der Turmspitze diese
schwere Glocke einschalten. Das elektrische Manual in der Sakristei wurde vorher ausgeschaltet. Die übrigen drei Glocken
wurden dann per Hand mittels eines Klöppels geschlagen. Die Glockenseile verknüpfte man vorher miteinander und band
sie fest. Das Glockenspiel war auf die Tonleiter abgestimmt, und so ließen sich beim Beiern einfache Melodien spielen.
Im Laufe der Zeit ist das Beiern mehr oder weniger verlorengegangen. Doch auch das heutige, mit einem elektrischen
Manual betriebene Glockengeläut ist für jeden Zuhörer ein besonders akustisches Erlebnis.
Schützenfest statt Oktoberfest Gerd Weiss besuchte mit seinem Freund Rolf Maag den Ümmerich Bild rechts: Gerd Weiss (links) mit Freund Rolf Maag
Unter den zahlreichen Schützenfestgästen aus Nah und Fern weilte im
Vorjahr auch der in Amerika lebende Gerd Weiss. Eingeladen worden war er von seinem ebenfalls in den Vereinigten Staaten lebenden und aus Olpe stammenden Rolf Maag, dem Sohn des Schützenkönigs von 1955, Martin Maag.
Bei einem Gespräch mit der Siegener Zeitung teilte Gerd Weiss mit, daß seine Eltern Deutsche waren, die in Maisenheim bei Ludwigshafen lebten.
Sie wanderten nach Amerika aus und kehrten 1939 wieder in ihr Heimatland zurück. Weiss war damals neun Jahre alt und lebte mit seinen Eltern und Geschwistern acht Jahre in Braunschweig, wo er vier Jahre lang
zur Schule ging. Später erlernte er den Konditorberuf. Obwohl Gerd Weiss amerikanischer Staatsbürger war, wurde er wegen seiner deutschen Abstammung zum damaligen Jungvolk herangezogen
und später zur deutschen Wehrmacht eingezogen. Er kämpfte als Soldat an verschiedenen Fronten und verteidigte kurz vor Kriegsende Schwerin gegen russisches Militär. Dort geriet er auch in Gefangenschaft, die für
ihn und seine Kameraden am Anfang sehr entbehrungsreich wurde. Von seinen vier Geschwistern leben heute in Chicago noch ein Bruder und eine Schwester. Kurz vor dem Schützenfest wurde er von seinem
Olper Freund Rolf Maag, der ebenfalls in Amerika lebt, eingeladen, gemeinsam mit ihm das Olper Schützenfest zu besuchen. Gerd Weiss: “Ich wollte eigentlich erst zum Münchener Oktoberfest nach Deutschland
kommen, ließ mich dann aber überreden.” Bereut hat er das nicht, denn er fand Olpe und das Schützenfest einfach toll und blieb darum noch eine Woche in der Pannenklöpperstadt, wo er bei Rolfs Mutter, der ehemaligen
Schützenkönigin Elli Maag, an der Agathastraße wohnte.
Bild links Vom Ümmerich in die Stadt ging es am vorjährigen Schützenfestmontag bei strahlendem Sonnenschein. Die tolle Stimmung der Festbesucher
hielt auch abends noch an, als sich die –meisten wieder zum gemütlichen Beisammensein auf dem Schützenplatz trafen.
Siegener Zeitung-Sonderbeilage 16.07.1999: Seite 1 Seite 2 Seite 4 Seite 5 Seite 6
Übersicht Sonderbeilagen vor Schützenfest 1999 Sonderbeilage WP/WR
Sonderbeilage SZ
Sonderbeilage SB Sonderbeilage SLK Sonderbeilage HS
|